Zehntklässler als Vermessungsingenieure?

Das Feldmesspraktikum der Freien Waldorfschule Hamm

 

In diesem Jahr fand das Vermessungspraktikum der Freien Waldorfschule Hamm auf der Kissinger Höhe (Zechenhügel, nähe Heinrich Robert) statt. Vom 4. bis zum 15. April erkundeten die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse das Gelände.

Worum geht es in diesem Praktikum?
Nein , wir wollen die jungen Leute nicht zu Vermessungsingenieuren ausbilden. Beim Vermessungspraktikum geht es darum, ein nicht zu kleines Areal zu vermessen und die Messergebnisse in eine Karte einfließen zu lassen. Seit Jahren arbeitet die Schule mit dem Vermessungs- und Katasteramt der Stadt Hamm zusammen. Die Stadt ist bei der Suche nach immer neuen Aufgaben behilflich, unterstützt das Praktikum auch durch Geräte und begleitet es sehr entgegenkommend durch Besuche von Vermessungsingenieuren. Auch dieses Jahr dient uns wieder „Cottmans Hütte“ als Stützpunkt. Der „Förderverein Kissinger Höhe“ hat uns die Hütte zur Nutzung freundlicherweise überlassen.

Lehrplanbezug: Das Vermessungspraktikum ist ein fächerübergreifendes Projekt, das in der 10. Klasse in der Regel als zweiwöchiges Praktikum durchgeführt wird. Im Kern geht es um angewandte Mathematik (Flächenberechnung, und -beschreibung, Trigonometrie, exaktes Zeichnen ...). Daneben kommen auch geografische Aspekte zum Gelände dazu (Überblick über das Stadtgebiet, Oberflächenstruktur, Aspekte der jeweiligen Nutzung...). Die Halde als Naherholungsgebiet zeigt leider einige unschöne Spuren (Vermüllung). Im Rahmen der Praktikums und der Arbeiten im Gelände wurde dieser Müll von den SchülerInnen eingesammelt und in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Kissingerhöhe entsorgt.
Das Praktikum, das die Fächer Geografie und Mathematik projektartig vernetzt, ist jedes Jahr (unabhängig vom Ort) auch eine soziale Herausforderung, weil die Arbeit in Gruppen erledigt werden muss. Das „schützende Klassenzimmer“ wird verlassen; die „Regulierung“ durch die Pausenglocke entfällt und auch die Umstände vor Ort sind nicht zu 100% planbar.

Schwerpunkt des diesjährigen Projekts:
Ausgehend von Vertikalmessungen wurden dieses Jahr Wegstrecken über die Halde bezüglich Länge, Wege-Charakter und Steigung ausgemessen. Daraus lassen sich dann sowohl die Höhenunterschiede berechnen und auch ein Höhenprofil des jeweiligen Wegeverlaufs erstellen.
Der erzieherische Aspekt: Es ist auch die Frage „Wie gehen wir miteinander um?“, die sich im Praktikum stellt. Es kann nämlich eine Herausforderung sein, sich bei zweifelhaftem Wetter in Anbetracht eines schwierigen Geländes auf Messpunkte zu einigen, möglicherweise mühsam Messfehler zu suchen (gruppentintern die „Schuldfrage“ zu klären), und dann sogar noch einige Messungen zu wiederholen. Die SchülerInnen tragen im Laufe des Praktikums zunehmend die Verantwortung für die Qualität ihrer Arbeit und bekommen Misserfolge „durch die Sache“ (die genaue Wertetabelle/ Karte) gespiegelt. Einfaches „Drauflosmessen“ führt zu nichts. Es müssen Arbeitsschritte auch gruppenübergreifend vereinbart werden.
Je nach Charakter und Temperament kommen dabei SchülerInnen an manchen Tagen an ihre Grenzen. Ungeachtet dessen ist das Feldmessen eine schöne und auch intensive Zeit, während der „über den Schultellerrand“ hinaus geblickt wird.
Und wer weiß - vielleicht bietet das Praktikum für den einen oder die andere SchülerIn auch berufliche Aspekte, so dass am Ende doch noch ein Studium zur VermessungsingenieurIn / GeodätIn ins Auge gefasst wird?

Andreas Hammer und Beatrix Zumholz
(Praktikumsbetreuer)