12.10.2016 Brasilien
– Ein Austausch mal anders

Zuckerhut Brasilien

Mein Name ist Phil und ich besuche momentan die 11. Klasse der Freien Waldorfschule in Hamm. Im vergangenen Schuljahr habe ich eine spannende Austauscherfahrung in Brasilien gemacht und würde gerne ein bisschen darüber erzählen.  Im ersten Moment denkt man sich schnell: Wie kommt man denn auf Brasilien? Das ist doch so weit weg! Dort ist doch bestimmt alles ganz anders, als wie bei uns! Und die sprechen auch noch portugiesisch! Es ist halt kein klassisches Austauschland aus meiner Sicht. Also, vorab muss ich sagen, dass ich allgemein auf der Suche nach einer Austauschmöglichkeit war. Auf welches Land sich dies beziehen würde, stand für mich nicht an erster Stelle (obwohl ich natürlich schon ein paar Wunschvorstellungen hatte). So kam mir eines Tages zu Ohren, dass ein Schüler aus Brasilien einen Austauschpartner in Deutschland bzw. an unserer Schule suche. Des Weiteren wurde ich auch direkt angesprochen, ob ich nicht Interesse daran hätte. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich, dieses Projekt anzugehen.

Markt in Brasilien

Nachdem ich Anfang des Jahres den Austauschschüler für einige Wochen bei mir aufgenommen hatte, ging es im Juni für mich selber auf die weite Reise. Dazu ist es erwähnenswert, dass ich bis dahin noch nie ganz alleine so unterwegs war und schon gar nicht so weit weg! Dementsprechend war ich natürlich sehr aufgeregt, als es endlich los ging. Angekommen in São Paulo wurde ich herzlich von meiner „neuen Familie“ empfangen und bekam gleich schon etwas Typisches zu essen vorgelegt. Es handelte sich um „Pão de Queijo“, kleine Käsebällchen (nebenbei auch das Letzte, was ich in Brasilien vor dem Abflug gegessen habe). Meine Familie lebte in einer Wohnung in einem der vielen Hochhäuser, die in unserer Wohngegend alle dicht aneinander standen. Allgemein hat mich die unendliche Größe  der 11-Millionenstadt sehr beeindruckt. Auf einmal fühlt man sich sehr klein bei diesen vielen Menschen auf einem Ort! Letztendlich habe ich wahrscheinlich auch nur einen kleinen Teil der Stadt kennengelernt, wenn man betrachtet, wie riesig São Paulo ist.

Brasilianische Weite

Ebenfalls etwas ungewohnt war der stressige Verkehr auf den Straßen. Andauernd hört man Autos oder Motorräder hupen und die rote Ampel verliert sehr schnell an Bedeutung – Hauptsache, man ist auf der anderen Straßenseite oder über die Kreuzung! Außerdem herrscht ein anderes Gefühl von  Sicherheitsbedürfnis: Das Auto schließt sofort, wenn man losfährt, das Grundstück des Wohnhauses ist hoch eingezäunt und wird von Pförtnern überwacht, usw. Dies hängt natürlich mit der viel höheren Kriminalität zusammen.
Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an all diese Neuheiten. Während meiner etwa sieben Wochen bin ich auch vier Wochen mit meinem Austauschschüler zu seiner Waldorfschule gegangen. Dort nahm ich am normalen Unterrichtsgeschehen teil. Dieses stellte sich jedoch teils als etwas schwierig heraus. Das größte Problem war eigentlich die Sprache Portugiesisch. Da ich vorher so gut wie keine Kenntnisse über diese Sprache besaß, war es in manchen Fächern recht schwer, dem Unterrichtsgeschehen zu folgen. Die vierwöchige Epoche (das Konzept ist in Prinzip so aufgebaut wie an unserer Schule) war glücklicherweise Mathematik. So konnte ich zumindest die Aufgaben mit wenig Textzusammenhang lösen und mich so am Unterricht beteiligen. Beim Englisch- und Deutschunterricht konnte ich mich gut einbringen und bei den restlichen Fächern habe ich mein Bestes gegeben. Mit der Zeit konnte ich ja auch meine portugiesischen Sprachkenntnisse erweitern.

Dächer von São Paulo

Am Wochenende und später in den drei Wochen Ferien habe ich mit der Familie viele weitere Aktivitäten gemacht. Mir wurden Museen, Parks und andere Sehenswürdigkeiten der Stadt gezeigt. Aber ein besonderes Highlight war für mich das brasilianische Essen. Dazu gehörten viele Gerichte mit Reis und Bohnen, vielerlei Süßigkeiten und natürlich eine unfassbare Auswahl an Früchten, die vom Geschmack mit unseren aus dem Supermarkt nicht zu vergleichen sind! So sind mir, auch als Vegetarier, wunderbare neue Gerichte zu Munde gekommen. Jetzt komme ich zu einer absoluten Besonderheit meines Austausches. Es handelt sich um einen einwöchigen Aufenthalt bei den Großeltern in Rio de Janeiro. Die Stadt ist im Vergleich zu São Paulo um Welten schöner.

Brasilianischer Affe

Klar, sie hat auch einige Schattenseiten, die im Zuge der  Olympischen Spiele in den Medien sehr stark aufgegriffen wurden, aber die Stadt bietet auch ein wunderschönes Flair. Mit all den Buchten und Stränden, den grün bewachsenen Hügeln und des (in meinem Fall) schöneren Wetters als noch in São Paulo. Auf jeden Fall verbrachte ich eine sehr schöne Zeit in Rio de Janeiro.Um langsam zum Ende zu kommen, möchte ich zusammenfassend sagen, dass dieser Austausch eine sehr schöne Erfahrung für mich war. Das heißt nicht unbedingt, dass alles zu 100 Prozent perfekt gelaufen ist, aber ich habe viele neue sehr nette Leute kennengelernt, die ich sofort angefangen habe zu vermissen, als ich wieder in Deutschland war. Auf jeden Fall würde ich das „Abenteuer“ nochmals bestreiten und kann nur jedem in meinem Alter empfehlen, über sich hinaus zuwachsen und tolle Erfahrungen bei einem Austausch zu sammeln!